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Bretagne...
Von jeher regt die Bretagne mit ihrer Fremdartigkeit
die Phantasie vieler Menschen an. Jener westliche Rand des europäischen
Kontinents, den die Bretonen Armorica »das Land am Meer«,
nennen, hat seine urwüchsige kulturelle Eigenart bewahrt wie
sonst keine französische Provinz.
Es ist auch heute noch eine Keltenland, das seine Eigenständigkeit
in all seiner scheinbaren Widersprüchlichkeit zu behaupten
weiß. Nirgends sonst in Europa leben heidnischer Aberglaube
und tiefe katholische Gläubigkeit so eng und gar ineinander
verwoben zusammen.
Eindrucksvolles Beispiel sind die zahlreichen christlichen Kalvarienberge
(Calvaires), die berühmten Wallfahrtsprozessionen (Pardons)
und die Dolmen und Menhire, die die Landschaft prägen. Man
unterscheidet Haute-Bretagne (Hoch-Bretagne) und Basse-Bretagne
(Nieder Bretagne), wobei »Nieder« nur sagen will, am
weitesten von Paris entfernt Die Haute-Bretagne endet im Osten der
bretonischen Hauptstadt Rennes. Hier wird heute nur noch französisch
gesprochen.
In der Basse-Bretagne, der »bretonischen Bretagne«,
wird das aus dem Keltischen entstandene Bretonisch mit seinem reichen
Wortschatz gesprochen. Seit hundert Jahren verläuft die Sprachgrenze
westlich der Bucht von Saint-Brieuc bis östlich des Golfs von
Morbihan. Die Bretagne ist Armorica, »Land am Meer und Argoat
»Land des Waldes«.
Da ist jene wilde Küste, die die Römer schon finis terrae
(Finistère), »Ende der Welt«, nannten.
Donnernd stürzt hier die Brandung an die zerklüfteten
Klippen und Felsen, und man kann verstehen, daß die Bretonen
ein besonderes Verhältnis zum Tod haben, wo doch früher
fast jedes Haus Väter und Söhne an die See verlor. Schwermütig
erscheint das Innere des Landes mit seinen Wäldern, der rotblühenden
Heide und dem goldleuchtenden Ginster, eine geradezu ossianische
Landschaft, wo der Wind die Wolken über die karge Erde peitscht.
Hier lag früher der märchenhafte Wald Brocéliande,
der sich fast über die ganze Bretagne ausdehnte, jetzt aber
schon lange verschwunden ist; die großen Buchen- und Eichenwälder
gibt es nicht mehr, geblieben ist ein kleiner Rest, der heutige Wald
von Paimpol.
So zeugt denn alles davon, daß die Bretagne darauf bedacht
ist, nichts von ihrer Geschichte abzugeben. In harten Kämpfen
haben die Bretonen ihre Eigenständigkeit gegenüber Römern,
Franken, Normannen, Engländern, gegen das französische
Königshaus, ja sogar gegen den heutigen Zentralismus Frankreichs
zu wahren verstanden, und stolz prangt auf ihren Autos als Kennzeichen
Bzh, für Breizh, Bretagne.
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Bretagne |
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Klima
Das
Wetter wechselt im Rhythmus von Ebbe und Flut und je nach Mondphase.
»Es regnet doch immer in der Bretagne« heißt es.
Als ob es anderswo nicht auch regnen würde? Alles nur Vorurteile.
Die Bretagne ist kein halb überschwemmtes Land. Kaum zu glauben;
es regnet weniger in Rennes als in Toulouse, weniger in Carnac als
in Nizza, weniger in Brest als in Biarritz. Während andernorts
die Niederschläge in ergiebigen Schauern fallen, kommen sie
hier, wie auch in Westengland, häufig als Nieselregen runter,
und genau das erweckt den Eindruck, daß es auch mengenmäßig
mehr regne.
Eingebettet zwischen Ärmelkanal und Atlantik profitiert die
Bretagne von einem ozeanisch ausgeglichenen Klima: mild und belebend,
nie zu kalt oder zu heiß. Die Luft ist reich an Jod, allein
das Atmen ist schon eine Gesundheitskur. Besonders im Spätherbst
herrscht oft wahres Bilderbuchwetter. Die heftigsten Stürme
sausen im Winter über das Land.
Ebbe
und Flut
In
den Syndicats d'Initiative (Fremdenverkehrsämter) ist alljährlich
eine Zeittafel erhältlich, auf der der tägliche Wechsel
von Ebbe und Flut errechnet ist. Da der Rhythmus von den Phasen des
Mondes abhängig ist verspätet sich der Gezeitenwechsel
täglich. In den jeweiligen Tageszeitungen finden Sie ebenfalls
genaue Angaben über den örtlichen Gezeitenwechsel.
Sprache
Die
bretonische Sprache, selbst für Franzosen klingt sie völlig
fremd, dank einer vollkommen anderen Syntax und Grammatik. Sie ist
eine keltische Sprache, verwandt mit dem Gälischen, Irischen
und Schottischen. Unzählige Ortsnamen fangen mit
Loc-, Plou, Tre-, Lab-, und vor allen Dingen Ker- an.
Einige urbretonische Worte:
Aber: Ästuar oder kleiner Fjord, der zweimal täglich in den
Fluten des Atlantik versinkt
Ker: Dorf, Häusergruppe, Weiler
Lan: geweihter Ort Einsiedelei, Abtei
Lann: Heidekraut Stechginster
Loc: Einsiedelei, einsamer Ort
Men: Stein, Fels
Mor: Meer
Auch ist es keine Seltenheit, daß ein
und derselbe Ort auf zwei oder mehrere Arten geschrieben wird, beispielsweise:
Pors Denn oder Porz Doun
Légenes oder Légenese.
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